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„Zunächst sah man Japan vor allem als fernöstliche Kultur, die Celanese extrem fremd war.
Niemand verstand die japanische Mentalität und den japanischen Führungsstil, und so betraute
man uns mit allen Aufgaben”, erzählt Yasumasa Komura, CEO von Polyplastics. Die Beziehung
zwischen Polyplastics und Celanese/Ticona ruhte auf drei Säulen: dem Verhältnis zwischen Anteilseigner
und seiner Beteiligung, der Beziehung zwischen Lizenzinhaber und Lizenzgeber und
auf der Partnerschaft bei der Marketingentwicklung. „In allen drei Fällen trug Celanese/Ticona
wesentlich zu unserem Erfolg bei. Hätte Ticona lediglich darauf abgezielt, die Rendite zu maximieren,
so hätten wir nicht genügend Kapital für die Investition am Standort, für technische
Entwicklungen und Personal aufgebracht. Es gibt mehr als eine Form der Dividende“, unterstreicht
Komura.
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Früchte der Zusammenarbeit
Polyplastics wurde als Lizenznehmer der Technologie zur Polyacetalherstellung von Celanese
gegründet. Seit der Gründung haben die von Celanese, Ticona und Polyplastics vertriebenen
Produkte zur Entwicklung neuer Technologien geführt, welche die Zusammensetzung, den Herstellungsprozess
und die Anwendung von Polyacetal-Produkten veränderten. Durch wechselseitige Lizenzvereinbarungen
konnten alle Seiten von diesen Innovationen profitieren. Polyplastics vermarktet die Polyacetal-Produkte
unter dem Markennamen Duracon® und vertreibt Polyacetal-Produkte der Marke Celcon® von Ticona.
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Vectra® wird als Lizenzprodukt von Ticona hergestellt - hier vor dem Transport zum Abnehmer.
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In ähnlicher Weise produziert und vertreibt Polyplastics flüssigkristalline Polymere unter
dem Markennahmen Vectra®. Mitte der 80er Jahre vergab Ticona die Lizenz für die Technologie
und den Markennamen an Polyplastics, doch wurden die Produkte dank eines Vertrages
zwischen Ticona und Polyplastics gemeinsam weiterentwickelt. Polyplastics stellt überdies
den thermoplastischen Polyester PBT in dem Joint Venture WinTech mit Teijin her, dessen
mehrheitlicher Eigner Polyplastics ist. Polyesterprodukte werden unter dem Markennamen
Duranex® vertrieben. Polyphenylensulfit (PPS), das das Unternehmen von Kureha Chemical
Industry Co., Ltd. bezieht, wird unter der Namen
Fortron® vermarktet.
Die Zusammenarbeit zwischen Ticona und Polyplastics verschafft beiden Partnern dank des
Entwicklungs- und Vermarktungsabkommens Wettbewerbsvorteile im Geschäft mit globalen
Kunden, zum Beispiel weltweit agierenden Automobil- oder Elektronikkonzernen, die Entwicklungs-
und Produktionsstandorte in vielen Teilen der Welt betreiben.
„Die engen Verbindungen zwischen den beiden Unternehmen haben sich insbesondere im Fall
der „Western transplants“ - also westlicher Unternehmen, die ihre Produktionsstätten nach
Asien verlegen – als nützlich erwiesen. Die meisten dieser Unternehmen sind in der Fahrzeugindustrie
tätig. Und häufig stammen die ersten Informationen und Kontaktdetails von Ticona“,
sagt Katsuhiko Takahashi, Managing Director und General Manager Sales und Marketing.
Polyplastics stieg rasch zum wichtigsten Lieferanten von technischen Kunststoffen in Japan
auf und erzielt heute mit 1.400 Mitarbeitern ein Verkaufsvolumen von rund € 500
Millionen.
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Aktuelle und zukünftige Produktionsstätten
Der japanische Produktionsstandort von Polyplastics befindet sich in Fuji City. Zwischen
dem Berg Fujiyama auf der einen Seite und dem Pazifischen Ozean auf der anderen ist die größte
POM-Produktionsstätte der Welt mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen pro Jahr entstanden.
Sie umfasst auch eine Compoundieranlage zur Herstellung von Fortron® und produziert
PBT® und Vectra®. Polyplastics beobachtet die Entwicklung in Asien genau und sucht immer
nach neuen Wachstumsmöglichkeiten. Seit der Gründung wurde das Werk in Fuji mehrfach
erweitert, außerdem entstanden eine neue POMAnlage mit 20.000 Tonnen Kapazität in Taiwan
und eine weitere mit 30.000 Tonnen in Malaysia. Dank der regen wirtschaftlichen Entwicklung
in China kann Polyplastics derzeit seine Auslastung optimieren, um der hohen Nachfrage nach
Polyacetal zu genügen und dadurch gleichzeitig die aufgrund der schwachen japanischen Konjunktur
gesunkene Nachfrage ausgleichen. Die Nachfrage steigt in China jährlich um 10 % und
hat bereits 100.000 Tonnen erreicht, so dass mit einer weiteren Expansion zu rechnen ist.
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Dank seiner guten Zug-, Straßen- und Schiffsanbindung ist
Fuji City eine wichtige Drehscheibe in der Chemieproduktion.
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Mit einer Kapazität von 100.000 Jahrestonnen
ist die POMAnlage in Fuji City die
größte der Welt.
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Polyplastics weiß aus dieser Lage Nutzen zu ziehen und wird bei einem Joint Venture, das
Mitsubishi Gas Chemical Company Inc., Korea Engineering Plastics Co. Ltd und Ticona zu Partnern
macht, die Führung übernehmen. Geplant ist eine 60.000 Tonnen Polyacetal-Anlage in
Nantong bei Shanghai. Planung und Vorbereitungen am Standort haben bereits begonnen,
der Baubeginn ist für das zweite Geschäftsquartal 2003 vorgesehen. Die Inbetriebnahme der
Anlage ist für das zweite Quartal 2005 geplant. „Die Herausforderungen der Globalisierung
und die schwierige ökonomische Lage in Japan haben dazu geführt, dass wir die Dinge heute
von einem globalen Standpunkt aus betrachten. Ticona hat bei der Verbindung von Polyplastics,
KEP und Mitsubishi Gas Chemical eine wichtige Rolle gespielt. Ohne Ticona hätten wir unsere
Perspektive nicht verändert und wären nicht in der Lage gewesen, das Risiko unserer Investitionen
in China zu streuen“, meint Komura. Motoshi Sawada, Managing Director und
General Manager Production Division, geht davon aus, dass die Nachfrage nach POM weiter
im derzeitigen Umfang steigen wird, und zwar mindestens bis 2008, dem Jahr, in dem in China
die Olympischen Spiele ausgetragen werden.
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Dem Wandel in Asien flexibel begegnen
Nun, da POM immer reifer wird, widmet das Unternehmen seine Aufmerksamkeit verstärkt
neuen und verbesserten Techniken zur Entwicklung spezieller POM-Verbindungen, um auf eine
veränderte Nachfrage zu reagieren. Zu diesem Zweck hat Polyplastics seine Forschungs- und
Entwicklungsabteilung am Standort Fuji umstrukturiert und kürzlich einen neuen POM-Typ
vorgestellt, der, verglichen mit konventionellen copolymeren Polyacetalen, über eine größere
Festigkeit verfügt. Er zielt auf neue Märkte ab,
ist aber auch in den traditionellen Bereichen der Automobilindustrie, der elektrischen und elektronischen
Anwendungen, im Büromaschinensektor und für Industriemaschinen einsetzbar.
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Yasumasa Komura, Präsident und CEO von
Polyplastics, steuert die Geschäfte aus seinem
Büro in Tokio.
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Zu den Konsequenzen, die sich aus der veränderten Marktdynamik in Japan ergeben, gehört
auch, dass die sogenannten Technischen Servicezentren, in denen Polyplastics und seine Kunden
an der Entwicklung neuer Anwendungen arbeiten, den Kunden diese Dienstleistung künftig berechnen.
Dies beginnt mit dem Computer Aided Engineering (CAE). „Unsere CAE-Möglichkeiten
sind besser als die unserer meisten Kunden. Es ist nur natürlich, dass wir hierfür eine Vergütung
in Rechnung stellen“, sagt Tsuneyoshi Okada, Managing Director und General Manager der
Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Das Unternehmen möchte mit dieser Strategie die
Leistungsfähigkeit der Zentren weiter verbessern und hierzu neue Simulationsmethoden und
Materialdaten zur Verfügung stellen. Außerdem wurde eine neue Website zur technischen Unterstützung
erstellt, die bereits von über Tausend Ingenieuren genutzt wird. „Die neuen Techniker
und Ingenieure unterscheiden sich von der älteren Generation. Für sie spielt die Schnelligkeit,
mit der sie Ergebnisse erzielen, eine wichtigere Rolle als der persönliche Kontakt“, erklärt Okada.
Der Wandel im Denken bei Polyplastics beeinflusst auch die Geschäftsabwicklung vor Ort.
In der Vergangenheit verkaufte das Unternehmen seine Produkte nahezu ausschließlich über
japanische Handelsgesellschaften, der Kontakt mit Kunden vollzog sich über die Technischen
Servicezentren. Diese Situation verändert sich zur Zeit. Zwar werden immer noch rund 80 %
der Geschäfte über Handelsgesellschaften abgewickelt, doch nimmt diese Prozentzahl ab.
„Japan verändert sich ein wenig. Wir versuchen einige US-amerikanische Geschäftspraktiken
anzuwenden, was allerdings einer Gratwanderung gleicht. Immerhin absolvieren inzwischen
immer mehr japanische Manager einen Teil ihrer Ausbildung in den Vereinigten Staaten“, stellt
Komura fest. Doch der Eckpfeiler der japanischen Geschäftspraxis, die persönliche Beziehung
zwischen Geschäftsleitung und Kunden, spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. Wie
viele seiner Kollegen verbringt der Liebhaber des japanischen No- und Kabuki-Theaters jedes
Wochenende mit Kunden auf dem Golfplatz.
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